Kapelle "St. Petrus" in Wachendorf
Aktueller Hinweis
Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Kapelle St. Petrus in Wachendorf wird dort ab dem 13 Oktober 2010 wieder alle zwei Wochen Mittwochs um 18:00 Uhr die hl. Messe stattfinden.
Die Kölnische Rundschau berichtet am 13.10.2010 über die abgeschlossenen Renovierungsarbeiten der Kapelle (hier zusätzlich als Druckversion).
Ebenso berichtet der Kölner Stadtanzeiger am 13.10.2010 über die abgeschlossenen Renovierungsarbeiten (hier zusätzlich als Druckversion).
Geschichte der Wachendorfer Kapelle
Folgender Bericht über die Wachendorfer Kapelle verfasste Oskar Nositschka aus Wachendorf. Dieser Bericht wurde im Mitteilungsblatt für die Gemeinde Mechernich am 27 Oktober 1972 veröffentlicht:
Die Kapelle zu Wachendorf ist ein etwa 1000 Jahre alter Bau. Im Mai 1931 besichtigte der seinerzeitige Provinzialkonservator Dr. Graf Metternich die Kapelle. Nach seinem fachmännischen Urteil gehört der Bau des Kapellenschiffes dem 9. bis 10. Jahrhundert, der des Choranbaues dem 15. Jahrhundert an. Seine Beurteilung gründete sich auf die Form der Fenster und die Zusammensetzung des damals verwendeten Mörtels. Das nach Westen gerichtete Schiff besitzt sehr kleine, schmale Fensterchen, während die großen Fenster des Chores als spätgotisch zu bezeichnen sind. Auch die Weihung des Gotteshauses dem hl. Petrus deutet auf ein höheres Alter hin. Bei Erneuerungsarbeiten aufgefundene römische Dachziegel lassen vermuten, dass an der gleichen Stelle sich schon in römischer Zeit ein Bauwerk befand.
Da Wachendorf unter dem Einfluss des damaligen Schlossherrn Marsilius von Palant um das Jahr 1600 eine evangelische Gemeinde besaß, dürfte die Kapelle den evangelischen Gottesdiensten gedient haben. Jedenfalls übte von 1590 bis 1610 der evangelische Prediger Georg Rotar in Wachendorf sein Amt aus. 1611 wird er bereits als ev. Prediger in Euskirchen genannt. Auf den Bestand einer evangelischen Gemeinde in Wachendorf weist auch der Grabstein der 1577 verstorbenen Anna von Winkelhausen, Frau von Palant, hin.
Die erste uns bekannte urkundliche Erwähnung der Wachendorfer Kapelle stammt aus dem Jahre 1680. In diesem Jahre fand durch den Zülpicher Dechanten Franz Müller eine Visitation der Pfarrkirche zu Antweiler statt. In seinem Bericht hierüber lesen wir: "Die Kirche hat als Filiale Wachendorf." Als Sendschöffe für Wachendorf wird Arnold Metzen genannt. In den folgenden Jahren blieb die Kapelle unbenutzt und verfiel. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts findet sich wieder eine schriftliche Nachricht. Katzvey berichtet in seiner "Geschichte des Stadt Bad Münstereifel": "Bei Gelegenheit des Abbruches und Wiederaufbaues der Pfarrkirche zu Antweiler wurde die Kapelle zur Haltung des Gottesdienstes wiederhergestellt." Das geschah in den Jahre 1851/52.
Wiederum erlitt danach die Kapelle ein recht betrübliches Schicksal. Sie verfiel vollkommen. Zuletzt war sie eine der Spitzhacke verfallene Ruine. Mit schadhaftem Dach, tür- und fensterlos, war sie Wind, Regen und Schnee preisgegeben. Kindern diente sie als Tummelplatz. Das Glöcklein war verstummt. Der Jugend diente es als Zielscheibe für ihre Steinwürfe. Dieser traurige Zustand währte bis zum Jahre 1931.
Am 23. April 1931 fanden sich Bürger der Gemeinde Wachendorf in stattlicher Zahl in der Schule ein, um über den Wiederaufbau der Kapelle und ihre Gestaltung als Kriegergedächtnisstätte zu beraten. Die Anregung zu diesem Unternehmen ging vom Lehrer Fritz Potthoff, Wachendorf, aus. Der vorgetragene Plan fand allgemeine Zustimmung. Seine Durchführung übernahm ein Ausschuss, dem außer dem Lehrer Potthoff der Herrschaftsbesitzer Herbert von Mallinckrodt und Hermann Kessel angehörten. Die Baupläne erstellte Betriebsleiter Ernst Ahrend, Antweiler. Die Gemeinde übernahm die Spanndienste. Die Baukosten sollten durch eine sonntägliche Groschensammlung, Spenden und staatliche Beihilfen erbracht werden. Herbert von Mallinckrodt stellte einen größeren Geldbetrag zur Verfügung, der als Beitrag der Arbeitslosen betrachtet werden sollte. Der Sprecher der Arbeitslosen erklärte, durch Handarbeit zum Gelingen des Werkes beizutragen. Außerdem stiftete Herbert von Mallinckrodt für etwa 40 Arbeitslosenfamilien 200 Zentner Briketts und wöchentlich zwei Wildkaninchen.
So schritt man im Mai 1931 wohlgemut ans Werk. Die Erneuerungsarbeiten wurden nach den Weisungen des Provinzialkonservators Dr. Graf Metternich ausgeführt. Erste Aufgabe war es, das Innere der Kapelle vor weiterer Witterungsunbill zu schützen. Bis November 1931 war das Dach völlig erneuert, die Tür eingesetzt, die Fenster verglast. Die Verglasung der Fenster wurde der Firma Binsfeld, Trier, übertragen. Im linken Chorfenster sind St. Michael, das Wappen der Familie von Mallinckrodt und das Johanniterkreuz, im rechten St. Georg und das Wappen des alten deutschen Reiches dargestellt. Die Fensterchen des Kapellenschiffes erhielten einfache Buntglasscheiben. Auf die Widmung der Kapelle als Kriegergedächtnisstätte weist das straßenwärtige Fenster hin. Es zeigt einen Stahlhelm mit zwei gekreuzten Seitengewehren und den Spruch: "Es gibt keine größere Liebe, als wer sein Leben gibt für die Seinen". Die Türrahmung stammt von einem alten Wegekreuz, die Tür selbst aus Eichengebälk aus der Oberburg Antweiler.
Da das früher vorhandene Türmchen nicht wieder aufgebaut wurde, erhielt das Glöckchen einen neuen, offenen Platz über der Westwand. Das Glöckchen ist eine Stiftung des Freiherrn de Ritz. Dieser war von 1780 bis 1840 Besitzer des Schlosses und der Herrschaft Wachendorf. An ihn erinnert die Glockenschrift: "de Ritz 1786".
Das Harmonium wurde für 50 DM von Jakob Schumacher, Eschweiler, gekauft.
Nachdem im Winter 1931/32 die Bauarbeiten geruht hatten, wurden Sie im Frühjahr 1932 fortgesetzt und abgeschlossen. Die Schlussabrechnung ergab an Einnahmen 2.266,44 DM, an Ausgaben 1.996,66 DM. Die Einnahmen setzten sich in der Hauptsache aus Spenden zusammen (Groschensammlung, Eifelverein, Kriegerverein). Der Landeshauptmann der Rheinprovinz bewilligte eine Beihilfe von 300 DM. Mit Stolz konnte es die gesamte Gemeinde erfüllen, dass es ihr durch vereinte Kraft gelungen war, ihr zwar kleines, aber doch ehrwürdiges Gotteshaus vor dem völligen Verfall zu bewahren und es wieder gottesdienstlichen Aufgaben dienstbar zu machen.
Am 17. Oktober 1932 konnte der schon lange herbeigesehnte Festtag der Einweihung gefeiert werden. Prälat Dr. Eck, Köln und Pfarrer Joseph Kleinebrecht, Antweiler, nahmen die vorgeschriebenen Weihungen vor. Nach 80 Jahren konnte nun wieder zum ersten Male das denkmalwerte Glöckchen geläutet und das erste hl. Messopfer gefeiert werden. Nach den kirchlichen Feierlichkeiten übergab der Eigentümer der Kapelle, Herbert von Mallinckrodt, das wiedererstandene Kleinod als Geschenk der Gemeinde Wachendorf. Der Gemeindevorsteher Johann Diefenthal übernahm das großzügige Geschenk mit herzlichem Dank in das Eigentum der Gemeinde.
Durch die gemeindliche Neuordnung am 1. Januar 1970 wurde die Gemeinde Veytal Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Wachendorf und damit auch Eigentümerin der Kapelle. Im Mai 1970 stellte der Kirchenvorstand Antweiler-Wachendorf an die Gemeindevertretung von Veytal den Antrag, die Kapelle zu Wachendorf in das Eigentum der Kirchengemeinde Antweiler-Wachendorf zu übertragen. Nachdem der Rat der Gemeinde Veytal, als auch das Erzbischöfliche Generalvikariat Köln ihre Zustimmung erteilt hatten, wurde am 19. Januar 1971 der Schenkungsvertrag notariell beurkundet. Seitdem ist das Flurstück Nr. 27 der Flur 3 in einer Größe von 276 qm mit aufstehender Kapelle Eigentum der Kirchengemeinde Antweiler-Wachendorf.
Nach zweimaligem Verfall wieder erstanden, erbitten die Gläubigen Gottes Hilfe, dass ihrer Kapelle nie mehr ein so trauriges Schicksal zuteil werde.
Es sei gestattet, im Anschluss an den Bericht über die Kapelle zu Wachendorf auch die Wegekreuze als Zeichen der Glaubwürdigkeit anzuführen. Wohl das älteste dieser Wahrzeichen ist das Heiligenhäuschen am Kalkarer Weg. Es trägt die Inschrift: "O Maria hilf". Das Alter ist leider nicht feststellbar. Die Legende berichtet, dass es aus der Pestzeit stammt. Als zu Kriegsbeginn 1914 die Einberufenen zum Bahnhof Arloff marschierten, begleiteten die Angehörigen sie bis zum Heiligenhäuschen. In der Folgezeit wurden hier für die Soldaten Bittandachten gehalten.
An der Straße nach Lessenich steht ein Kreuz, dessen Rückseite und berichtet: "Anno 1780 den 12. Jenner ist mit dem Sacrament gottselig gestorben der wohlachtbare Henricus Willeckens, Administrator zu Wachendorf, alt 73 Jahr. R.I.P."
Das Kreuz an der Iversheimer Straße trägt den Bibelspruch: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist." Es wurde 1855 von der Gemeinde Wachendorf gewidmet. Ursprünglich stand dieses Kreuz auf dem Rosenhügel.
Das Kreuz an der so genannten Leichenrast wurde 1869 von den Geschwistern Katharina Halsig und Peter Lessenich aus Wachendorf gewidmet.